© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 20. Mai 2005
Abschied: 150 Gäste hören letzte Signale vom Funkturm
"So einen Zuspruch hatten wir seit unserer Feier zum 150-jährigen Bestehen des Albert-Turmes nicht mehr", freute sich Kerstin Krause, Vorsitzende des Heimatvereins "Bergtreue" Collm. Der Saal des Gasthofes Collm platzte am Donnerstagabend aus allen Nähten. Rund 150 Gäste aus der Region waren der gemeinsamen Einladung von Heimatverein und OAZ zu einem Abschiedsabend vom Funkturm auf dem Collm gefolgt.
Ekkehard Kunick, der selbst jahrzehntelang auf dem Funkturm gearbeitet hatte, spannte in seinen Erzählungen den Bogen von der Nachkriegszeit bis zum derzeit laufenden Abriss des Funkturmes. "Als der Turm damals gebaut wurde, war die Empörung genauso groß wie heute zum Abriss. Ich sage: Der Abriss ist notwendig und richtig", meinte er.

Höhepunkt des Abends war ein viertelstündiger Acht-Millimeter-Film
vom Bau des Funkturmes in den Jahren 1959 bis 1961. "Damals war das
Fotografieren verboten. Doch ich habe mir gedacht: Solange du nicht
bestraft wirst, machst du ein paar Aufnahmen", sagte Kunick. Bei
dieser Gelegenheit räumte der ehemalige Funkfeldsachverständige mit
zwei Vorurteilen auf, mit denen die ehemalige Funkturm-Besatzung
immer wieder konfrontiert wird: "Meine Kollegen und ich waren nicht
bei der Stasi. Und auf dem Collm hat nie ein Störsender gestanden."
Tatsächlich habe es in der 19. Etage des Turmes eine Raum gegeben,
der von der Staatssicherheit genutzt worden sei. "Doch die hatten
mit uns nichts zu tun, und die dort installierte Technik war zum
Abhören nicht geeignet", so Kunick.
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